Bericht über den Besuch in Kamerun- Prof.Dr. Hannelore Scholz-Lubbering


Kolloquium in Jaunde

Auf Einladung des Königs S.M. Djampou.Tchatchouang. Anick Julio von Bangoua und des Gründers des Kamerun-Hauses nahm ich am 2.Kolloquium(26. September) im Hotel Febe in Yaoundeteil. Die Veranstaltung hatte das Ziel, die Aktivitäten, die im Rahmen des Kamerun-Hauses in Berlin realisiert wurden, zu präsentieren und über neue Aufgaben und Perspektiven dieses Hauses zu diskutieren.

Das Kolloquium war ein voller Erfolg, obwohl die versprochene Unterstützung der Regierung nicht geleistet wurde.Die Veranstaltung fiel in eine Zeit der Vorbereitungen für den nationalen Dialog, den Präsident Biya am 11.09. 19 im Staatsfernsehen Kameruns verkündete und für Ende September anberaumt hatte. Die Notwendigkeit des Dialogs in einem seit Jahren krisengeschüttelten Land mit seinen multiethnischen Regionen und seinen vielfältigen Kulturen und Sprachen wurde von den Teilnehmern und Teilnehmerinnen mit Nachdruck betont.

Überzeugend konnte Prince deBangoua Legrand Tchatchouangals Gründer seine Ergebnisse des Kamerun-Hauses in Berlin darstellen. Er kämpft gegenwärtig um eine Institutionalisierung des Hauses und eine dementsprechende finanzielle Ausstattung. In Vorbereitung des Kolloquiums besuchten wir gemeinsam verschiedene Ministerien (Ministerium für Kultur, Ministerium für Tourismus) und den Premierminister.

Programm

Zur Eröffnung sprach der König von Bangoua, der auch Präsident des Komitees für die Organisation der Veranstaltung ist. Er referierte über die Schwierigkeiten, die das Kamerun-Haus als Privatinitiative hatte und appellierte an die Könige und die Regierung, bei der zukünftigen Neuetablierung des Hauses eine gemeinsame Strategie zu entwickeln. Gegenwärtig sind die Aktivitäten aus finanziellen Gründen eingestellt.

Prinz de Bangoua gab einen Rückblick über die geleisteten Aktivitäten des Hauses. Er sprach über ein neues Konzept, das afrikanische Kultur in den Mittelpunkt rückt und die Migrationsprobleme behandelt.Sein Konzept berücksichtigt auch andere afrikanische Länder. Er appellierte an die Diaspora, die verschiedenen Konzepte der Könige mit ihrer Kompetenz zu unterstützen.  Das Kamerun-Haus könnte wichtige Hilfestellungen geben und die Zusammenarbeit auf unterschiedlichen Gebieten koordinieren.

Im Folgenden sprachen drei Könige, die diesen Ansatz konstruktiv fanden, weil er eine Möglichkeit bietet, mit der Diaspora in Austausch zu treten. Sie besuchten bereits das Kamerun-Haus und hatten Verträge abgeschlossen.

Judith Gosmann (Attachee für Kultur, Presse und Politik) von der

deutschen Botschaft in Yaounde wünschte, dass das Kamerun-Haus in Berlin sich zu einer wichtigen Institution entwickelt und repräsentative Aufgaben für Kamerun leistet.

Die Ministerin für Bauwesen und Stadtentwicklung betonte, dass sie schon längere Zeit mit Prinzde Bangoua zusammenarbeitet und stellte sehr ambitioniert eine Unterstützung als Ansprechpartnerin für die Regierung in Aussicht.

Außerdem sprachen vier Experten (Kultur, Tourismus, lokale Entwicklung, Migration). Sie eröffneten eine Diskussion, wie das Kamerun-Haus die Aktivitäten besser bündeln könnte und plädierten für eine Kooperation mit der Regierung.

 

Hannelore Scholz-Lübbering sprach überKultur in Bewegung: Die Bedeutung von Kultur im Prozess der Globalisierung.

Sie führte aus, dass mit dem Cultural Turn und der Etablierung der Kulturwissenschaften nicht nur eine neuartige Fokussierung auf Kultur einher geht, sondern auch eine Öffnung von Grenzen- seien es die zwischen Ländern und Kontinenten, oder die zwischen Disziplinen und Medien. Diese längst notwendige globale grenzübergreifende Ausrichtung ist durch Krisen und die dadurch verursachte aktuelle Flüchtlingspolitik weltweit zu einem wichtigen politisch-ökonomischen Thema geworden. Kameruns Probleme sind nicht annähernd gelöst, häufig ist in den europäischen Medien von den „vergessenen Konflikten“ in diesem Land die Rede.

Aufgrund der Flüchtlingsströme und der anhaltenden Krisen sind soziale Netzwerke wieDiaspora, bzw. ethnische Enklaven wichtige Formen der Aufklärung und könnten vielfach den Ausschlag für die Migrationsmotivation geben. Unter diesem Blickwinkel hat die Institutionalisierung des Kamerun-Hauses eine nicht zu überschätzende Funktion und die Neuetablierung sollte m. E. wichtiges Anliegen sein.

In diesem Kontext wurde auf die wachsende Bedeutung des afrikanischen Kontinents hingewiesen. Heiko Maas (Außenminister von Deutschland) betonte nachdrücklich das Interesse Deutschlands an einer Kooperation mit Afrika. Es muss um eine gemeinsame Gestaltung der Zukunft in Afrika und Europa gehen.Der Regierungssprecher Seibert nannte fünf Ziele:

  1. Aufbau von Sicherheitskräften
  2. Förderung privater Investoren, um die Wirtschaft anzukurbeln und auf Nachhaltigkeit zu setzen.
  3. Verbesserung der Lebensbedingungen vor Ort, um die Migration zu regulieren und Fluchtursachen zu bekämpfen.
  4. Stärkung von internationalen Institutionen und Vereinbarungen
  5. Intensivierung des Kontaktes innerhalb der Zivilgesellschaft (Bildungsaustausch, Hochschulkooperation)

Auch bei der Umsetzung dieser Zielvorgaben hätte das Kamerun-Haus in Berlin eine wichtige Brückenfunktion zwischen Afrika und Europa.

 

Impressionen

Bei meinem Besuch der Region Bangoua konnte ich viele Aktivitäten kennenlernen:

-das Museum, eine Initiative vom Prinzende Bangoua

– eine Tomatenfarm

–  zwei Krankenhäusern

–  zwei Schulen

-eine Bank, die auch Kleinstkredite vergibt.

Es gab bei allen Verdiensten enorme strukturelle Problem bedingt durch extreme Armut, mangelnde Hygiene, fehlendes Wasser, fehlende Elektrizität.

An diesen Schwerpunkten wird deutlich, dass nicht nur die infrastrukturellen Defizite die Transformationsprozesse blockieren, sondern auch wichtige Staatsfunktionen fehlen. Ein weiteres Problem ist, dass die gut ausgebildeten Eliten des Landes, die im Ausland studieren, teilweise nicht zurückkommen, weil die fehlende Infrastruktur wenig effektive Erwerbsmöglichkeiten und Leistungserbringung ermöglichen.

Nach Expertenmeinung entscheidet sich die Zukunft Afrikas in den Landregionen, d.h. in einer agrar-manufaktoriellen Modernisierung. Auf der Tomatenfarm konnte ich das anschaulich wahrnehmen.

Ich bin mir bewusst, dass ich Fremdwahrnehmungen beschreibe. Ich bin auch keine Afrikanistin und kann deshalb nur einige Impressionen über die EU-Afrika-Migrationspolitik machen. Aber es ist auffällig, dass ökonomische und soziale Fragen im Vordergrund stehen und die kulturelle und religiöse Dimension zu wenig Beachtung findet.

Um die Menschen des anderen Kontinents besser zuverstehen und Programme zu entwickeln; die auf Transkulturalität setzen; brauchen wir neue Ansätze, die nicht nur eurozentristische kulturwissenschaftliche Theorien berücksichtigen. Die postkolonialen Theorien von HomiBhabba bieten z. B. eine wichtige Grundlage. Transkulturalität wird bei ihm verstanden als eine Neufassung des Kulturbegriffs. Wesentlicher Bestandteil ist darin die Hybridität der Kulturen und damit ein Werkzeuggegen macht- und hierarchieerzeugende Differenzsetzungen. Dadurch können dieverschiedenen Ethnien mit ihren Kulturen in Kamerun gerechter wahrgenommen und entwickelt werden im Sinne einer friedlichen Gemeinschaftlichkeit der Menschen.

Bei dem Besuch der Schulen und Krankhäuser beeindruckte mich das große Engagement der Menschen, die mit so wenigen Mitteln Großartiges leisten. Ich versprach eine persönliche Unterstützung durch eine Spende für Lernmaterial, Computer für Krankenhäuser, Laptops und Drucker.

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